07 Januar 2013

[Rezension] Linna singt - Bettina Belitz

4 DREAMS left | leave a DREAM
 Titel: Linna singt
Autor: Bettina Belitz
Verlag: Script5
Preis (gebundene Ausgabe): 18,95 Euro
Seiten: 512
ISBN: 978-3-8390-0139-4
Erscheinungsdatum: September 2012


Klapptext
Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben.
Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat.

Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.


Rezension 

Bin ich froh, dieses Buch gelesen zu haben! Obwohl jetzt erst Januar ist, weiß ich schon, das war definitiv eines meiner Buchhighlights dieses Jahr.

Zum Schreibstil muss ich niemanden, der Bettina Belitz kennt, etwas sagen. Dieser ist gewohnt gut, mit einem feinem Humor, genau an den richtigen Stellen.

Auch die Charaktere waren alle auf ihre Art gut entworfen. Interessant ist vor allem, dass man am Anfang eigentlich keinen leiden kann, doch je besser man sie kennt um so sympathischer werden sie (mit einer Ausnahme ;)). Linna als Hauptfigur hat mir auch sehr gefallen. Mit ihrem Charakter eckt Linna häufig an und wirkt äußerlich eher kalt auf die Menschen, in ihrem Inneren ist sie aber fast sensibel. Sie ist keiner dieser 08/15-Hauptfiguren, die immer lieb, nett und naiv sind, sondern stark und unabhängig, mit einem eigenen Kopf. So "schlimm" wie Ellie in Splitterherz (nichts gegen Ellie, ich kam immer mit ihr klar, aber manche fanden ihre Art ja nervig), ist sie nicht, aber sie macht durchaus auch mal Dinge, die man selbst nicht so machen würde.

Die Geschichte beginnt erst mal recht harmlos, aber mit lauter Fragezeichen für den Leser. Linna und ihre Bandmitglieder haben sich seit der Auflösung verändert, doch niemand (nicht mal Linna) lässt sich in Karten schauen. Keinen kann man zu Beginn einschätzen. Außerdem stellen sich weitere Fragen: Warum wurde die Band aufgelöst? Wieso will Linna nicht mehr singen? Und wer ist "sie" von der sie immer redet?

Nachdem die Gruppe die Berghütte erreicht haben, schneien sie ein und sind für einige Zeit dort gefangen - Abgeschottet von der Außenwelt. Und da geht es los. Man merkt, die unterdrückte Wut, die manche der Bandmitglieder auf Linna haben, ihre gemeinen Bemerkungen und vor allem gibt es jemand, der sie offenbar wirklich treffen und verletzten will. Doch wer?

Man kann als Leser längere Zeit nicht sagen, wer nun dahinter steckt. Jeder, wirklich jeder könnte ein Motiv haben und plötzlich werden sie alle verdächtig. Die Stimmung in der Hütte bleibt lange Zeit düster und zusammen mit Linna wird man fast schon paranoid.

Erst gegen Mitte/Ende des Buches offenbaren sich dann die verschiedenen Geheimnisse der Charaktere und das Gesamtbild der Gruppe setzt sich Stück für Stück zusammen. Dadurch, dass es lange Zeit mysteriös und gefährlich bleibt, fliegen die 500 Seiten nur so dahin und man kann selten das Buch aus der Hand legen. 

Das einzige, was mich ein bisschen enttäuscht hat, ist das Finale. Ich habe wirklich damit gerechnet, dass der "Psycho", der es auf Linna abgesehen hat, noch ein letztes Mal erbarmungslos und schockierend zuschlagen wird, doch leider wird die Situation anders und harmloser geklärt. Generell ist dagegen nichts zu sagen, aber ich habe einfach etwas mehr erwartet.

Das Ende wiederum ist gut und total passend für das Buch. Kein Happy-End und nicht ganz abgeschlossen, doch es lässt den Leser trotzdem zufrieden zurück.


Fazit
Ich habe ein neues Lieblingsbuch gefunden. Die Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, war spannend und steckte voll überraschender Wendungen. Selbst das Ende hätte ich nicht so kommen sehen. Am besten hat mir jedoch gefallen, dass die Charaktere alle so undurchschaubar waren und man lange Zeit aus keinem richtig schlau wurde. Ein bisschen hat mir ein richtig spannendes Finale gefällt, doch diesen kleinen Kritikpunkt kann man fast außen vor lassen.
Lesen dürfen es alle, die auf spannende Romane mit authentischen Charakteren stehen. Die Finger davon lassen sollten allerdings alle, die wirklich brutale, nervenaufreibende Psychothriller lesen, da für diejenigen das Buch dann doch zu harmlos ist.

Stil (5/5)
Charaktere (5/5)
Humor (3/5)
Gefühl (4/5)
Spannung (4/5)
 5 von 5 Dreamcatchers 

Danke an Script5, Bettina Belitz und Lovelybooks.de zur Bereitstellung des Rezensionsexemplars :)

Kommentare:

  1. Eine tolle Rezi! :)
    Meine Schwester hat dieses Buch seit Weihnachten auf ihrem SuB und ich bin schon gespannt, wie sie es finden wird.. :D
    LG

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    1. Danach solltest du es auch lesen (egal was sie sagt^^), lohnt sich auf jeden Fall ;)

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  2. Für 5 Dreamcatcher hätte es bei mir einfach nicht gereicht. Ich weiß auch nicht. Ich bin mit Linna und dieser konstruierten Situation auf der Hütte nicht so ganz klar gekommen.

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    1. Das kann ich voll nachvollziehen. Linna ist auch so ein Typ, der nicht jeder mag und ich hab mich auch manchmal gefragt, wieso die so lange in der Hütte bleiben, aber ich hab für mich das einfach hingenommen und dann gings ;)

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