07 März 2015

[Rezension] Der Märchenerzähler - Antonia Michaelis

6 DREAMS left | leave a DREAM


Titel: Der Märchenerzähler
Autor: Antonia Michaelis
Preis (Hardcover): 16,95 €
Erscheinungsdatum: Februar 2011
Verlag: Oetinger
ISBN: 13: 978-3-7891-4289-5

 Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?

Rezension


Also ich weiß noch nicht genau, wie ich meine Eindrücke von diesem Buch jetzt in Worte fassen soll. Das Buch war sehr intensiv und stellenweise wirklich krank und trotzdem schön und weil alles irgendwie in einem Widerspruch steht, stehe ich nun da ohne genau zu wissen, was ich eigentlich schreiben will.
Im großen und ganzen kann man das Buch als etwas besonderes bezeichnen und zwar in allen Bereichen.

Zu erst einmal der Schreibstil...
 "Ihr Ton war mindestens so kalt wie Eis, schmeckte aber nicht nach Vanille." S. 54 
Dieser ist sehr besonders, wenn nicht sogar einzigartig. Die Autorin benutzt wirklich tolle Metaphern und schafft es manchmal sogar einen zum Schmunzeln zu bringen, obwohl die Stimmung meist sehr bedrückend ist. Ja, auch das schafft die Autorin. Das ganze Buch über besteht eine bedrückende, deprimierende Stimmung, die sich nur sehr selten wirklich auflöst. Es ist nie ganz greifbar, warum alles immer so bedrückend wirkt und doch bleibt dieses Gefühl das ganze Buch über aufrecht erhalten.

Auch die Charaktere sind besonders. Zum einen schafft es die Autorin, allen Figuren facettenreich und mit sehr viel Tiefgang zu versehen, selbst die Nebenfiguren bleiben eigentlich nicht blass, sondern wirken so real, wie die Menschen auf der Straße. Und die Hauptfiguren... Anna ist ein sehr naives Mädchen, welches jedoch eine sehr spezielle Sicht auf die Dinge hat und das hat mir sehr gut gefallen.
"Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass es etwas Wichtigeres im Leben gibt, als [Noten-]Punkte?" "Ja", sagte Anna, "Streifen." S. 77
Und Anna meint das so, wie sie es sagt. Nicht ironisch, sondern einfach annahaft. Auch Abel ist ein besonderer Charakter. Seine Fähigkeiten, Geschichten zu erzählen, sind wirklich unglaublich und ich bin total gerne mit ihm auf Reise gegangen und konnte es nachvollziehen, dass Anna manchmal Realität und Märchen vermischt hat.
-> Spoiler:
Auch seine dunkle Seite wirkte sehr authentisch und man konnte all seine Handlungen wirklich nachvollziehen, wenn ich sie auch nicht gutheiße. Ich bin auch ziemlich ins Stocken geraten, dass Anna über seine Taten einfach so hinweggehen konnte. Aber auch das war auf ihre annahafte-weise logisch.

Und die Geschichte... Die Geschichte ist sowieso besonders. Ich würde sie nicht als wundervolle Liebesgeschichte bezeichnen, da sie das meiner Meinung nach wirklich nicht ist. Trotzdem hat mich das Märchen über den drogendealenden Außenseiter und dem Mädchen aus guten Hause fasziniert. Dabei sind es sogar eher zwei Geschichte. Eine handelt von Anna und Abel und diese ist irgendwie bittersüß und dramatisch. Und dann gibt es das Märchen der kleinen Königin und ihrem Gefolge, welches mindestens genauso dramatisch, aber auch sehr poetisch ist. Dazu kommen noch ein paar sehr dubiose Morde und wer genau dahinter steckt ist bis zum Schluss nicht klar.
Und dann das Ende. Das Ende ist gut, doch es nicht happy. Das es so endet, hätte ich nicht gedacht, keinen einzigen Moment, erst als es schon offensichtlich war. Und ja ich war traurig über das Ende... Doch alle anderen möglichen Enden des Buches wären mindestens genauso düster gewesen, wenn nicht sogar noch düsterer.

Was ich auf jeden Fall schwierig finde, ist das Buch als Jugendbuch zu verkaufen. Ja, die Charaktere sind noch sehr jung, doch es werden moralische Fragen aufgeworfen und unbeantwortet gelassen, welche sicher nicht für alle Jugendliche geeignet sind. Es vermittelt irgendwie falsche Werte oder könnte sogar verstörend auf manche Jugendliche wirken.... Ich weiß nicht, wie man mit der Geschichte umgeht, wenn man noch nicht gefestigt ist in seinen moralischen Wertvorstellungen.

Fazit


Ein besonderes Buch mit besonderen Charakteren, einem besonderen Schreibstil und einer Geschichte, die düster und doch poetisch ist, bei der sich meine Nackenhaare gestellt haben, die mich aber auch mal zum schmunzeln gebracht hat. Ich bin sehr beeindruckt von der Geschichte und werde ihr trotzdem einen halben Dreamcatcher abziehen, weil ich es schon sehr schwierig finde, wie so ein krankes Verhalten einfach von allen hingenommen werden kann.
Kaufen dürfen es sich alle, die ein besonders Buch lesen wollen und auch mit moralisch fragwürdigen Verhalten klarkommen können. Wer eher schwache Nerven hat oder ein fröhliches Buch sucht, sollte definitiv etwas anderes lesen.


Stil: ♥♥♥♥♥ Charaktere: ♥♥♥♥♥
Humor: ♥ Gefühl: ♥♥♥♥
Spannung: ♥♥♥♥ Kreativität: ♥♥♥♥♥


4,5 Dreamcatcher

Kommentare:

  1. Habe das Buch noch auf meinem SuB aber werde es wohl noch vor Mai lesen. Es liegt hier schon viel zu lange herum.
    Leider hat meine Berufsschullehrerin im Unterricht sehr viel gespoilert, daher hab ich es ne Weile liegen lassen um was vom Spoiler zu vergessen :D
    Deine Rezension macht aber wieder Lust es aus dem Regal zu holen :)

    Liebe Grüße
    Chrissi

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    1. Ja lesen solltest du es unbedingt bald mal. Bei mir lag das Buch auch unbegründet ewig auf dem sub und jetzt frag ich mich ernsthaft wieso.
      Ich hoffe sehr, du hast die Spoiler wirklich wieder vergessen... Wenn ma weiß was passiert, ist es sicher nicht halb so spannend.

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  2. Ich fand das Buch ebenfalls unglaublich gut. Dabei mag ich sonst solche bedrückenden Bücher eigentlich nicht (bedrücken kann mir der Alltag - Lesen soll mir Spaß machen!) so gerne, aber "Der Märchenerzähler" hat mich wirklich beeindruckt und sehr berührt. Und ja, da habe ich auch ein paar Tränchen vergossen ;P Die Geschichte ging einfach wirklich total an die Leber und dieses Poetische hat mir total gefallen.

    Alles Liebe, Sandra

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    1. also bei mir ist es auch so, dass ich nicht so gerne traurige Bücher lese. Ab und zu ist es okay, aber dauernd könnte ich das auch nicht..
      Ja mich hats auch irgendwie voll mitgenommen, obwohl es ja "nur" ein Buch war, und das Ende hat mich auch zum weinen gebracht.... Aber das war halt auch echt dramatisch.

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  3. Mich hat das Buch auch wirklich beeindruckt, es gehoert auf jeden Fall zu meinen Lieblingsbuechern :)

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    1. zu meinen jetzt auch... hätte ich vorm lesen irgendwie gar nicht gedacht, aber dafür bin ich jetzt mega der Fan :)

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