09 August 2016

[Rezension] Runa - Vera Buck

6 DREAMS left | leave a DREAM




Titel: Runa
Autor: Vera Buck
Preis (HC): 19,99€
Seiten: 608
Erscheinungsdatum: Mai 2015
Verlag: Limes
ISBN: 9783809026525
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Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis …


Rezension


Auf Runa habe ich mich ziemlich gefreut. Ich mag die Thematik, auch wenn es natürlich teilweise auch schockierend ist, was sie früher für richtig hielten und so wusste ich, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte.

Nach dem Lesen kann ich nun sagen, dass das Buch mich thematisch wirklich sehr angesprochen hat, jedoch hat es mich trotzdem nicht völlig überzeugen können.

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, bei denen man eigentlich bei fast allen lange  keine Ahnung hat, warum ihre Perspektive beleuchtet wird. Jori, aus dessen sich der größte Teil der Geschichte erzählt wird, ist ein einfacher Student an der Salpêtrière. Er ist, wie eigentlich alle anderen auch, total begeistert von Charcot und seinen Vorführungen und Auffassungen. Gleichzeitig sucht er nach einer Chance, seinen Doktortitel zu machen, um so jemanden helfen zu können, der ihm sehr am Herzen liegt. Diese Chance bietet sich als Runa schließlich auftaucht, ein apathisches Mädchen, das auf keine Behandlungsmethode anspringt.
Neben Jori gibt es auch noch einen Ich-Erzähler, der für mich bis kurz vor Schluss am wenigstens in die Geschichte gepasst hat, einen kleinen Jungen, einen mysteriösen Mann und einen ehemaligen Ermittler, der neben Jori die meiste Erzählzeit bekommt und versucht einen sehr seltsamen Fall zu lösen. Mit ihm und seiner Art hatte ich zu Beginn meine Schwierigkeiten, aber bald schon fand ich seine Kapitel auch sehr interessant. Insgesamt wurden alle Handlungsstränge immer interessanter, je mehr sich abzeichnete, wie diese zusammenhängen.

Alle Figuren wirkten sehr gut gezeichnet und besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin nicht nur fiktiven, sondern auch historischen Figuren Leben eingehaucht hat. So findet man im Buch (neben Charcot) zum Beispiel Paul und Pauline Bleuler, Georges Gilles de la Tourette oder Joseph Babinski und nach dem Lesen meint man diese Figuren auch alle zu kennen.

Wie man schon an den historischen Figuren sieht, hat die Autorin für ihren Roman gut recherchiert. Nicht nur bei den Figuren, sondern auch die Klinik und die Stadt sowie die medizinischen Behandlungen wurden von ihr so authentisch wie möglich zu beschreiben. So schaffte sie es zum einen, ein wirklich gutes Bild der damaligen Zeit zu zeichnen, jedoch setzt hier auch meine Kritik an. Mich haben die medizinischen Beschreibungen, Fachbegriffe und dazu noch die ganzen französischen Ausdrücke teilweise überfordert und nicht alles habe ich verstanden. Teilweise habe ich dann gegoogelt, teilweise habe ich beschlossen, es ist mir egal.
Dazu kommt, dass die ersten 300 Seiten des Buches quasi nur eine Einführung sind. Man lernt eben sehr ausführlich die damaligen Methoden kennen, die Figuren, die Stadt und auch Joris Beweggründe. Gleichzeitig passiert auch einiges, was man mit dem aktuellen Wissensstand nicht verstehen kann. Erst danach beginnt die Geschichte richtig und erst danach wird die Geschichte auch immer spannender, bis man die letzten hundert Seiten eigentlich das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, weil sich alle Ungereimtheiten auflösen und gleichzeitig die Situation sich immer mehr zuspitzt.

Nach dem Lesen bleibt bei mir eigentlich nur noch der Wunsch, die Geschichte noch mal zu lesen, um sie so vollständig zu verstehen^^


Fazit


Das Buch ist ein guter historischer Roman, der einen Blick auf den düsteren Teil der medizinischen Geschichte wirft. Sowohl die Thematik als auch die Figuren konnten mich völlig überzeugen. Inhaltlich war die erste Hälfte des Buches eher anstrengend, da viel Zeit für die Einführung benutzt wird, viele Fragen aufgeworfen werden und Szenen auftauchen, die man einfach (noch) nicht verstehen kann. Erst die zweite Hälfte des Buches bietet Auflösungen und der stetig ansteigenden Spannungsbogen sorgt dafür, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.

Stil: ♥♥♥ Charaktere: ♥♥♥♥♥
Humor: ♥ Gefühl: ♥
Spannung: ♥♥ Kreativität: ♥♥♥♥


4 Dreamcatcher

Kommentare:

  1. Huhu :),

    das Buch habe ich Ende letzten Jahres gelesen und fand es einfach super. Auch wenn teilweise sehr erschreckend. Warst du mit dem Ende zufrieden? Für mich war es sehr offen bezüglich des Mädchens, auch wenn es passend war.

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. hey :)
      Ich fand das Ende mit Runa gut, alles andere hätte mir nicht gefallen.
      *Spoiler*
      Ich wäre echt traurig gewesen, wenn Runa operiert und gestorben wäre. Und ich hätte es unrealistisch gefunden, wenn sie operiert worden und es ihr dadurch tatsächlich besser gegangen wäre. Und dazu kommt noch, dass ich die Klinik gegoogelt habe und es tatsächlich eine Patientin gab, die aus der Klinik abgehauen ist und keiner weiß, was aus ihr geworden ist, also passt es ja^^

      Liebe Grüße
      Lena

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  2. Hey,

    ich hab das Buch letztes Jahr auch gelesen und war sooo begeistert. Ich liebe Runa über alles!!

    LG
    Bettina

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    1. hey :)

      Ja, kann ich nachvollziehen, auch wenn es mir am Anfang etwas zu langatmig war. Aber das konnte das restliche Buch sehr gut ausgleichen.

      Liebe Grüße
      Lena

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  3. Hey,
    Dann gebe ich auch hier mal meine Meinung kund XD

    Das Buch konnte mich thematisch eigentlich total begeistern und die letzten 200 Seiten fand ich auch toll, aber mir war es leider viel, viel zu lang.
    (Musste selbst mal meine Rezension nachlesen, da es schon so lange her war^^)

    Aber schön, dass du dem Buch mehr abgewinnen konntest als ich!
    Liebe Grüße,
    Lena

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    1. hey :)

      Ja, ich fand den Anfang auch etwas langatmig, aber für mich hielt sich das noch im Rahmen, weil ich das Setting so interessant fand. Aber man hätte es wirklich kürzen können.

      Deine Rezi wollte ich sowieso noch lesen, aber beim Lesen hab ich mich nicht getraut, weil mich so was immer beeinflusst.

      Liebe Grüße
      Lena

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